Die „Gummibälle“ der Wüste
Wer in Namibia unterwegs ist, wird sie garantiert sehen. Sie sind überall: auf den endlosen Schotterebenen, in den trockenen Flussbetten und sogar am Rand der Namib-Wüste. Der Springbock (Antidorcas marsupialis) ist nicht nur das Nationaltier von Südafrika, sondern auch der heimliche Star der namibischen Weiten.
Aber wusstest du, dass hinter dem süßen Aussehen ein echtes Überlebensgenie steckt? Hier sind ein paar Fakten, mit denen du beim nächsten Sundowner glänzen kannst.
1. Das „Pronken“: Warum hüpfen die so komisch?
Wenn ein Springbock erschrickt oder einfach nur verdammt gute Laune hat, macht er etwas Einzigartiges: Er springt mit steifen Beinen bis zu 3,50 Meter hoch in die Luft. Dabei krümmt er den Rücken und klappt eine versteckte weiße Fellfalte auf dem Rücken aus.
Dieses Verhalten nennt man „Pronken“ (aus dem Afrikaans für „stolzieren“ oder „angeben“).
- Warum? Es ist eine Nachricht an Raubtiere wie Geparden: „Schau mal, wie fit ich bin! Mich zu jagen ist reine Zeitverschwendung.“
- Und: Es dient als Warnsignal für die restliche Herde. Ein lebendes Warnblinklicht, sozusagen.
2. Durst? Nicht wirklich!
In Namibia regnet es oft monatelang nicht. Während wir nach zwei Stunden ohne Wasserflasche schlappmachen, lächelt der Springbock nur müde.
- Wüstentrick: Er zieht einen Großteil seiner Flüssigkeit aus seiner Nahrung.
- Nachtaktives Snack-Vergnügen: Springböcke fressen oft nachts oder in den frühen Morgenstunden. Warum? Weil die Pflanzen dann die Luftfeuchtigkeit aufsaugen und praller mit Wasser gefüllt sind. Ein echtes Feinschmecker-Frühstück!

3. „Not a Gazelle“ – Der kleine feine Unterschied
Optisch sieht der Springbock der Gazelle zum Verwechseln ähnlich (brauner Rücken, weißer Bauch, dunkler Seitenstreifen). Aber Biologen sind streng: Er ist die einzige Art in seiner eigenen Gattung Antidorcas. Der Name bedeutet wörtlich „Nicht-Gazelle“. Er unterscheidet sich nämlich durch sein Gebiss und eben diese spezielle Hautfalte am Rücken von seinen Cousins aus dem Norden.
4. Die „Wanderlust“
Früher gab es in Namibia sogenannte „Treks“. Hunderttausende Springböcke zogen wie eine riesige Lawine durch das Land auf der Suche nach frischem Gras nach Regenfällen. Heute verhindern Zäune von Farmen oft diese gigantischen Wanderungen, aber in Gebieten wie dem Etosha Nationalpark oder im Damaraland kann man immer noch beeindruckend große Herden sehen.
Überlebenstipp für Touristen:
Wenn du einen Springbock siehst, schau genau auf sein Gesicht. Er hat diese dunklen Streifen, die von den Augen zum Maul verlaufen – wie „Tränen-Streifen“. Das hilft, die Blendung der gleißenden namibischen Sonne zu reduzieren. Quasi die eingebaute Ray-Ban der Tierwelt!

